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  • Rosa

Valence (FR) - Avignon (FR) - Port St. Louis (FR)

Am 28.07.2021 verließen wir morgens um 8:45 Uhr den Hafen südlich von Valence. Als Tagesziel hatten wir uns vorgenommen, mindestens bis Viviers zu fahren, eventuell weiter. Wir fuhren ab der ersten Schleuse gemeinsam mit Christoph, der auf seinem Segelboot Raav unterwegs ist und den wir am Abend vorher kennengelernt hatten. Sein Boot ist ein bisschen älter und ein bisschen größer als unsere April, aber von Weitem sehen unsere Boote wie Geschwister aus. Es war schön, mal mit einem anderen Boot den ganzen Tag in Sichtweite zu fahren! Wir kamen an zwei Atomkraftwerken und vielen Fabriken vorbei, trotzdem war die Strecke größtenteils schön. Als wir am frühen Nachmittag bei Viviers waren, entschieden wir weiterzufahren. Wir hatten in unseren Wasserkarten eine kostenlose Anlegestelle rausgesucht, doch als wir gegen 18 Uhr dort ankamen, mussten wir feststellen, dass es keine Anlegestelle mehr gab. Vielleicht sind die Schwimmstege weggetrieben? Oder sie wurden abgebaut, weil zu wenig Boote sie nutzten? Zwischen Viviers und Avignon gab es leider nur diese einzige Anlegestelle und da diese nun nicht mehr in Betrieb war, blieb uns nichts anderes übrig als nach Avignon durchzufahren oder an einer Schleuse anzulegen. So setzten wir unseren Weg fort und Christoph, der immer noch in Sichtweite war, tat es genauso. Abends passierten wir die Schleuse mit der höchsten Fallhöhe unserer Reise: die Ecluse de Bollene hat eine Fallhöhe von 22m! Ein imposantes Gebäude und wir fühlten uns sehr verloren neben den haushohen Wänden.

Gegen 21 Uhr ging die Sonne unter. Das Klima wurde angenehmer, die Luft roch nach Zypressen, die Zikaden zirpten und wir fuhren im wunderschönen Abendlicht und Sonnenuntergang auf der Rhône in Richtung Avignon. Das war wirklich zauberhaft! Ab 22 Uhr war es richtig dunkel, aber da waren wir zum Glück schon bei Avignon und hatten durch die Straßenbeleuchtung genügend Licht. In Avignon mussten wir einen Seitenarm der Rhône stromaufwärts fahren. Das war ein Moment, in dem wir unseren Motor zu schätzen wussten: obwohl unser Yanmar nur 10PS hat, kamen wir deutlich schneller gegen die Strömung an als Christoph mit seinem 16PS-Motor. Um 22:45 Uhr legten wir nach 14 Stunden, 69,4nm (ca. 140km) und sechs Schleusen am Quai de la Ligne in Avignon an. Was für ein Tag! Wir waren erschöpft aber auch stolz und glücklich, diese weite Strecke geschafft zu haben. Heute hatten wir mal Frühstück, Mittag und Abendessen während der Fahrt! Wie auch sonst haben wir uns den ganzen Tag am Ruder abgewechselt, haben Musik und Hörbücher/Podcasts gehört, Oskar hat gearbeitet und ich gelesen und Oskar hat zwei Drohenflüge gemacht. Das Fahren in der Dämmerung bzw. Dunkelheit brauchte zwar viel Aufmerksamkeit, war aber auch besonders schön und eine idyllische Atmosphäre.


Den 29.07. verbrachten wir in Avignon. Wir schliefen aus und wurden morgens von einem Geräusch geweckt, das klang als wenn etwas auf unserem Boot gelandet wäre. Und tatsächlich: Christopher fuhr mit seinem Fahrrad am Quai lang und hat uns ein frisches Baguette aufs Deck geworfen. Wie nett, wir freuten uns sehr über diese kleine Überraschung!

Gegen Mittag liefen wir los in die Stadt. Es waren über 30 Grad und da sich kein Lüftchen regte, war es eine quälende Hitze in der Stadt. Wir liefen durch einen großen Garten und dann am Papstpalast vorbei. Wir hatten eigentlich geplant, in den Palast zu gehen aber wurden dann von den Touristen davor abgeschreckt. Da aktuell ein Theaterfestival in Avignon ist, war die Stadt voller Werbeplakate für Aufführungen und kleiner Theatergruppen am Straßenrand. Im Vergleich zu den anderen französischen Städten waren hier deutlich mehr Touristen unterwegs aber wie wir hörten war es trotzdem dank Covid sehr viel angenehmer als in einem „normalen“ Sommer. Wir liefen durch die vielen kleinen Straßen der historischen Altstadt und irgendwann setzte sich Oskar in ein Café und ich bummelte alleine weiter. Am Nachmittag haben wir nochmal überlegt in den Papstpalast zu gehen aber Oskar sagte zu Recht, dass er durch die Hitze gar nichts mehr aufnehmen könne. Dann besichtigen wir den Papstpalast wenn wir das nächste Mal zusammen in Avignon sind! Wir aßen ein Eis, gingen einkaufen und dann zurück zu unserem Boot. Da die Hafenduschen und -Toiletten wegen Covid geschlossen waren, duschten wir uns auf dem Deck mit einem Schlauch ab. Besser als nichts und bei der Hitze eine Wohltat! Abends um 19:30 Uhr kamen Annette und Dieter (Freunde aus Berlin) zu uns zum Boot. Wir hatten Getränke und viele französische Leckereien vorbereitet und einen sehr schönen Abend zusammen.

Am Freitag, den 30.07. fuhren wir morgens von Avignon los in Richtung Port St. Louis. Da Port St. Louis schon hinter der Rhône im Salzwasser ist, war dies somit unser letzter Binnengewässer-Tag! Wir fuhren 45,5nm und passierten zwei Schleusen. Nun kommen keine Schleusen mehr!

Je näher wir dem Meer kamen, desto breiter wurde die Rhône und desto stärker wurden der Wind und die Wellen. Die letzte Schleuse war kurz vor dem Hafen in Port St. Louis, wo wir um 19:15 Uhr anlegten. Der Hafen von Port St. Louis ist verglichen mit den vorherigen Häfen unserer Reise riesig groß. Man merkt, dass der Hafen nah am Meer ist und große Segelboote, Katamarane und Motorboote anlockt, die vom Meer ins Binnengewässer fahren und umgekehrt. Abends war auf dem Gelände direkt neben dem Hafen ein großer Bereich mit Plastikstühlen, Plastiktischen und Imbissbuden aufgebaut. Es war wie eine Mischung aus Dorffest und Markt und zu lauter Musik aßen Anwohner und Bootsbesitzer Leckereien der Region. Die Imbissbuden wurden von lokalen Restaurants betrieben und wir konnten uns kaum entscheiden, was wir essen möchten- denn alles sah so gut aus! Passend zu unsere Ankunft am Meer nahm Oskar sechs Austern aus der Carmargue (für 1 Euro/Auster) und dann Muscheln mit Pommes. Ich nahm eine gemischte Meeresfrüchte-Platte mit Calamari, Pulpo, Gambas und mehr. Es war köstlich und wir strahlten um die Wette: wir haben es von Berlin nach Port St. Louis geschafft!


Kleine Zusammenfassung:

Wir sind am 20. Mai 2021 vom Berliner Schiffbauerdamm losgefahren und erreichten am 30. Juli die Rhône-Mündung in Port-Saint-Louis.

Auf der Strecke haben wir 29 Tage Pause eingelegt (1 Tag Hannover, 1 Tag Minden, 1 Tag Münster, 1 Tag Roermond, 1 Tag Maastricht, 1 Tag Verdun, 1 Tag Toul, 2 Tage Chalon-sur-Saône, 20 Tage Lyon wegen Stadtbesichtigung + Fahrt nach Berlin + Hochwasser).

Wir haben 1115 nm zurückgelegt, das entspricht 2065 Kilometern.


Dabei haben wir 241 Schleusen passiert.

Wir freuen uns schon riesig auf die nächsten zwei Monate zu segeln, zu ankern, lecker zu essen und viele weitere Bekanntschaften zu machen!