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Taverna (FR) - Taverna (FR)

Den 26.08. verbrachten wir im Hafen Taverna. Erst schien das Problem mit dem Motor gelöst zu sein, aber leider stellte sich dann raus, dass der Vorfilter leckte und das Glas zerbrochen war. Wie ärgerlich! Aber nun gut, unser Motor hat uns so großartig 1600nm bis Taverna gebracht, da können wir ihm ein Problem mit der Dieselzuführung verzeihen. Wir fanden im Hafen einen Motor-Mechaniker, der sehr engagiert und freundlich war und uns zusagte, am Samstag (28.08.) einen neuen Vorfilter für uns mitzubringen. Wir waren froh, so schnell an das Ersatzteil kommen zu können! Und da wir uns für das hochwertige Teil entschieden, wird April nie wieder ein Problem mit dem Vorfilter haben. Oskar arbeitete, ich las und war mit allem Möglichen beschäftigt. Am Nachmittag gingen wir in das Eiscafé am Hafen. In schöner Lounge-Atmosphäre aßen wir mit Blick auf den Hafen zwei riesige, köstliche Eisbecher. Am frühen Abend kam im Hafen ein kleines Segelboot an. Oskar beobachtete sie neugierig und als er zwei junge Leute darauf sah und sogar eine deutsche Flagge, sagte er mir begeistert Bescheid. Kleines Segelboot, so jung wie wir uns aus Deutschland? Die müssen wir kennenlernen! Oskar ging zu ihrem Steg und quatschte mit ihnen: Saskia und Alex verbringen mit ihrem 28 Fuß-Segelboot GinTonic den Sommer auf dem Mittelmeer.

Abends gingen wir an den Strand. Der Himmel war rosig, hinter uns waren hohe Berge, der Strand war menschenleer. Ein zauberhafter Abend!

Später kochte ich Curry und wir spielten wir an Bord Karten.

Am 27.08. kamen vormittags Saskia und Alex vom Boot GinTonic zu uns an Bord. Die beiden sind seit Mitte Mai unterwegs und sind vom italienischen Festland über Elba nach Korsika und Sardinien gesegelt. Sie kommen aus Regensburg, sind etwa so alt wie ich und beide leidenschaftliche Segler mit viel Erfahrung. Ihr Segelboot ist 28 Fuß lang (d.h. ein Fuß länger als April), ist aber sehr sportlich gebaut und hat daher keine Stehhöhe. Da wir bisher kein kleineres Boot (außer Tagessegler) unterwegs gesehen haben, dachten wir, dass wir das kleinste Segelboot sind, das mehrere Monate im Mittelmeer verbringt. Aber Saskia und Alex mit ihrer GinTonic sind deutlich unkomfortabler und abenteuerlicher als wir unterwegs: ihr kleiner Elektro-Außenborder fährt maximal 2 Knoten, sie haben keine Reling und keinen Wassertank etc. Ihr Boot ist ein schickes, dynamisches Segelboot für Binnengewässer aber damit im mehrere Monate im Mittelmeer unterwegs zu sein ist ein größeres Abenteuer als unser Törn.

Saskia und Alex haben unterwegs Ute und Wolfgang mit ihrem Segelboot Christo getroffen. Ute und Wolfgang sind ein Paar aus Kassel (Wolfgang war Allgemeinmediziner, Ute hat ihn in der Praxis unterstützt), die schon seit unzähligen Jahren mit ihrem 25 Fuß-Segelboot im Mittelmeer segeln. Die beiden sind seit fünf Wochen unterwegs und waren auch im Hafen Taverna. Ihr Boot ist sehr schön und gemütlich, hat aber ebenfalls keine Stehhöhe und ist mit nicht mal 8m deutlich kleiner als unsere April. Wie toll, wir sind drei deutsche Paare, die mit kleinen Segelbooten im Mittelmeer unterwegs sind! Und nachdem wir GinTonic und Christo besichtigt haben, kommt uns unsere April groß und geräumig vor!

Am Nachmittag habe ich gemalt, Oskar hat gearbeitet und später waren wir am Strand.

18:30 Uhr waren wir bei Saskia und Alex, die uns auf einen Gin Tonic eingeladen haben. Dann sind wir zu viert fünf Kilometer bergauf nach Cervione gelaufen. Puh, der Weg war echt anstrengend! Aber unterwegs haben wir pausenlos gequatscht und so verging die Stunde wie im Flug. Cervione ist ein kleiner Bergort mit schönem Panorama und ursprünglichem Flair. Zu sechst (Wolfgang und Ute erwarteten uns schon) gingen wir in ein korsisches Restaurant. Das Essen war lecker, insbesondere die Beignets (korsische Käsekrapfen) und kleine Meeresfrüchte-Pizza, die wir uns als Vorspeise teilten und Oskars Teller mit korsischer Wurst.

Als das Restaurant gegen 23 Uhr schloss, fuhren Ute und Wolfgang mit einem Taxi zurück zum Hafen und Saskia, Oskar und ich spazierten im Dunklen den Berg hinab. Im Hafen angekommen trafen wir uns bei Ute und Wolfgang an Deck und tranken bis 2 Uhr nachts Bier und Wein. Es war ein großartiger Abend mit vier so tollen, unterhaltsamen Leuten!


Am 28.08. sollte eigentlich unser Vorfilter ankommen aber leider war der Motor-Mechaniker, der den Vorfilter mitbringen wollte weder zu sehen noch telefonisch zu erreichen. Wie ärgerlich! Wir schliefen aus, dann spazierten wir zum nächsten Laden, einem kleinen Bio-Supermarkt, und kauften das Nötigste. Am Nachmittag tranken wir mit Ute und Wolfgang im Hafenrestaurant einen Kaffee. Die beiden haben nach den vielen Jahren unzählige Segelgeschichten auf Lager und bei ihnen ist schon alles schief gegangen, was man sich nur vorstellen kann. Von den fünf Wochen, die sie diesen Sommer schon mit ihrem Segelboot auf Korsika sind, mussten sie 17 Tage im Hafen auf eine Motorreparatur warten. Das ist ärgerlich und vermiest natürlich den ganzen Urlaub.

Den Abend haben wir wieder zu sechst verbracht. Wir haben erst einen Aperitif zusammen getrunken und sind dann den Strand lang zu einem Restaurant direkt am Meer gelaufen, das Saskia und Alex schon kannten. Dort aßen wir direkt am Strand Pizza und Burger und hatten wieder einen heiteren und schönen Abend zusammen. Zurück im Hafen saßen wir bis 1 Uhr nachts zusammen. So toll, dass wir die vier mit ihren kleinen Segelbooten getroffen haben! Das waren zwei wirklich schöne gemeinsame Tage und wir hoffen, dass wir Saskia und Alex, Ute und Wolfgang in Deutschland wiedersehen!


Auch Sonntag, den 29.08. verbrachten wir im Hafen von Taverna. Wolfgang gab uns seinen nicht genutzten Vorfilter (wie nett!) und wir hoffte, diesen verwenden und weiterfahren zu können. Oskar tüftelte mehrere Stunden am Motor aber leider war Wolfgangs Vorfilter spiegelverkehrt gebaut und passte beim besten Willen nicht. Nach ein paar Stunden gab Oskar auf und wir warteten weiter auf das Ersatzteil oder ein Lebenszeichen vom Motor-Mechaniker.

Am späten Vormittag fuhren sowohl Ute und Wolfgang auf ihrem 25-Fuß-Segelboot Christo als auch Saskia und Alex auf ihrem 28-Fuß-Segelboot GinTonic los. Nun waren wir wieder das einzige kleine deutsche Boot.

Der Tag war zäh. Wenn wir endlich das Ersatzteil hätten! Oskar hat am Motor geschraubt, ich habe gelesen und irgendwie verging die Zeit. Abends picknickten wir am Strand. Wir hatten die Zutaten für Wraps dabei und zwei Flaschen Aperol Spritz und zauberten uns so ein leckeres Abendessen, das mit jedem Bissen etwas sandiger wurde. Dann lagen wir am Strand, beobachteten die abendlichen Wolken und redeten über unsere Reise. So langsam spüren wir, dass wir uns auf dem Rückweg befinden. Korsika fühlt sich wie das letzte Kapitel an und wir sind so voller Eindrücke, Bilder und Erlebnisse, dass wir ohne Bedauern der Heimreise entgegen sehen können.

Am Montag, den 30.08. herrschte bei uns Aufbruchsstimmung. Nach fünf Tagen des Wartens wollten wir nun endlich Taverna verlassen und nach Solenzara fahren! Oskar suchte den Motor-Mechaniker und fand ihn. Auf die Frage, ob unser neuer Vorfilter angekommen ist, wich er aus. Auf die Frage, warum er nicht erreichbar war, erklärte er, dass er sein Handy am Wochenende irgendwo liegen gelassen hat. Auf die Frage wie wir nun weiterfahren sollen, antwortete er nur mit einem Schulterzucken: „sorry“.

Wir dachten echt, dass er ein netter, engagierter Typ ist aber er hat einerseits unsere Bestellung vergessen (die am Samstag schon da sein sollte) und war andererseits die ganze Zeit nicht erreichbar. Am Donnerstag war er noch der geborene Verkäufer und vier Tage später sind wir ihm völlig egal. Grrrrr!

Da wir den Vorfilter nicht nochmal bei ihm bestellen wollten, entschieden wir uns mit Oskars improvisierten Lösung mit Wolfgangs Vorfilter loszufahren. Doch schon im Hafenbecken zickte der Motor wieder rum und wir mussten uns an den Tankstellen-Anleger treiben lassen. Irgendwie kam kein Diesel durch Wolfgangs Vorfilter. Also neuer Plan: wir lassen den Vorfilter einfach weg, so wie auch Wolfgang und der Motor-Mechaniker als Option vorgeschlagen haben. Oskar verband also den Dieseltank direkt mit dem Motor, es lief und wir fuhren los.

Leider kam der Wind aus Süden, so dass wir nicht nach Solenzara segeln, sondern mit dem Motor fahren mussten. Am Anfang lief es super, aber nach etwa 10nm (einem Drittel der Strecke) ging der Motor wieder aus. Dieses Mal war das Problem, dass die Kupfer-Dieselleitung durch Oskars Überbrückung und Altersschwäche einen Riss bekommen hat und Luft zog. Warum hört diese Pechsträhne nicht auf?

Oskar reparierte wieder den Motor und bekam ihn wieder zum Laufen. Nun hatten wir die Wahl: 20nm gegen den Wind mit Motor nach Solenzara fahren oder 10nm mit dem Wind zurück nach Taverna segeln und den Motor nur für die Hafeneinfahrt nutzen. Wir entschieden uns für letzteres. Eigentlich waren es schöne Segelstunden aber wir konnten die Fahrt nicht genießen sondern waren beide deprimiert. Unterwegs umzukehren macht grundsätzlich schlechte Stimmung. Zurück nach Taverna zu fahren, wo wir schon fünf Tage festsaßen war richtig frustrierend. Wie lange wird die Reparatur dauern? Wie viel wird es kosten? Woher bekommen wir die Teile? Unser Motor ist so zuverlässig, warum passiert ein Problem nach dem anderen?

Das Wichtigste ist: Wir kamen gut und ohne weitere Zwischenfälle in Taverna an und konnten mit dem Motor in den Hafen einfahren. Da es schon abends war, konnten wir nichts mehr organisieren aber überlegten uns mehrere Optionen für die nächsten Tage. Klar, der Vorfilter und die Dieselleitung sind keine dramatischen Probleme aber leider war der Tag für uns trotzdem nervig und frustrierend. Hoffentlich finden wir schnell eine gute Lösung, damit der Motor wieder so zuverlässig läuft wie vorher!

Schön war, dass wir abends nochmal mit Saskia und Alex, Ute und Wolfgang telefoniert haben. Sie hätten uns gern geholfen und wollten wissen, wie es uns geht, was mit dem Motor ist und wie es weitergeht. Sie haben unsere Zuversicht und Lust aufs Weiterfahren zurückgebracht! Was für vier tolle, herzensgute Leute!