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Taverna (FR) - Solenzara (FR)

Am 31.08.2021 starteten wir einen neuen Versuch. Oskar ging nochmal zu dem Motor-Mechaniker von Port Taverna und er versuchte seine Schusseligkeit wettzumachen, indem er wie von einer Tarantel gestochen sein ganzes Lager auf den Kopf stellte, um Ersatzteile für uns zu finden. Aber leider fand er (wie erwartet) nichts. Der nächste große Laden mit Boot-Zubehör ist südlich von Bastia, 45 km von Taverna entfernt. Wie sollten wir dort hin kommen? Fahrrad mieten? Zu bergig. Roller mieten? 1200 Euro Kaution ist Abzocke. Taxi? Zu teuer. Bus? Zu umständlich. Also entschieden wir uns zu trampen, da es beim letzten Mal (zur Tour de France) so gut geklappt hat. Nach etwa 15 Minuten hatten wir Erfolg und wurden von einem LKW-Fahrer mitgenommen. Obwohl es für ihn ein Umweg war, brachte er uns bis direkt vor die Tür des Geschäfts und setzte uns dort ab. Wie nett!

Der Laden war tatsächlich groß und hatte allerlei Zubehör und Ersatzteile fürs Boot, aber keinen passenden Diesel-Vorfilter. Somit bestellten wir den Vorfilter und die Anschlüsse per Express-Lieferung. Die Bestellung wird am nächsten Vormittag, d.h. am Mittwoch abgeschickt und die Lieferung wird am Donnerstag oder spätestens Freitag bei uns in Taverna sein.

Wir verließen deprimiert den Laden. Ja, es ist toll, dass wir nun das Teil bekommen werden. Aber noch drei Tage warten? Und trotzdem kostet es knapp 200 Euro. Und wer weiß, ob es dann wirklich passt und ob alle Probleme beseitigt sind! Nach etwa einer halben Stunde verflog zum Glück unsere schlechte Stimmung. Ja, wir haben gerade ein bisschen Pech und stecken seit einer Woche ungewollt in Taverna fest. Aber hey, lieber in einem Hafen sein, der nach Schwefel riecht, als im kalten und grauen Berlin! Statt genervt zu sein, dass es nicht weiter geht freuen wir uns lieber darüber, wie schön es ist Urlaub zu haben, dass wir es bis Korsika geschafft haben, dass wir so viel Zeit zu zweit genießen können und noch gute drei Wochen vor uns liegen!

Gut gelaunt traten wir so den Rückweg an. Wieder hatten wir Glück und wurden nach kurzer Zeit von einem Transporter mitgenommen. Er nahm uns bis Folelli (etwa die Hälfte der Strecke) mit. Dort stiegen wir aus und nutzten die Gelegenheit zum Einkaufen. Mit vollem Rucksack standen wir wenige Minuten mit unserem Schild an der Straße, als schon ein schicker Range Rover anhielt. Nicolas (der Range Rover-Fahrer) fuhr extra an seinem Zuhause vorbei um uns bis zum Hafen zu bringen und direkt am Hafenbecken abzusetzen. Was für ein Glück! Wer hätte gedacht, dass man in Frankreich so gut und einfach trampen kann! Die drei Fahrer heute waren super freundlich, haben nett mit uns geplaudert und Umwege für uns gemacht. Und wir konnten so auch was vom Landesinneren von Korsika sehen!

Am frühen Abend waren wir zurück am Hafen. Wir liefen nochmal zum Strand, ich kochte eine riesige Schüssel Couscous und abends spielten wir bis weit nach Mitternacht ein Exit-Spiel.

Der 01.09. begann mit einer schönen Überraschung: da im September auf Korsika die Nebensaison beginnt, kostet der Liegeplatz nur noch 12 Euro/Nacht und somit die Hälfte. Der Tag verging mit Warten: ich las, Oskar arbeitete, wir waren am Strand. Abends telefonierte ich mit meinem Patenonkel Christof, der uns den unermesslichen Gefallen tut, uns in Port-St.-Louis-du-Rhône abzuholen. Er fährt extra mit seinem Auto von Berlin bis ans Mittelmeer, um uns (und unser Gepäck) mit dem Auto einzusammeln. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr Oskar und ich uns darüber freuen! Wirr haben vereinbart, dass wir am 23.09. in Port-St.-Louis-du-Rhône losfahren, um am 24.09. abends in Berlin/Potsdam anzukommen. Somit hat unsere Reise nun ein geplantes Ende und wir sind sehr glücklich, mit Christof unsere Zielankunft in Port-St.-Louis zu feiern und zu dritt nach Hause zu fahren.

Uns bleiben also noch drei Wochen um Korsika zu umrunden, von Calvi zu den Porquerolles vor der Côte d’Azure überzusetzen und dann nach Port-St.-Louis zu fahren. Das klingt viel, sollte aber (wenn Wind und Wetter nicht völlig verrückt spielen) ohne Eile zu schaffen sein.

Damit der Tag neben der Warterei auch einen schönen Höhepunkt hatte, sind wir abends ins Hafen-Restaurant gegangen. Dort haben wir den Tag schön ausklingen lassen und Miesmuscheln mit Roquefort (Oskar) und Charolait-Burger (Rosa) gegessen. In Korsika haben wir zudem ein neues Sommer-Getränk kennengelernt: „Cap Corse blanc“ ähnelt Martini mit Tonic und wird mit Eiswürfeln in großen Glaskelchen serviert. Köstlich!

Am 02.09. rief uns vormittags der große Boots-Laden an: unsere bestellten Teile seien zwar mit der Express-Lieferung angekommen und nun im Geschäft, aber die Lieferung nach Taverna wäre erst am nächsten Tag möglich. Wir entschieden, nicht bis zum nächsten Tag auf die Lieferung zu warten, sondern wieder zu dem Laden zu trampen um die Ersatzteile so schnell wie möglich zu haben. Mittags machten wir uns auf den Weg und nach wenigen Minuten nahm uns ein LKW-Fahrer mit. Er hatte nur zwei Sitzplätze, so dass ich auf seinem Bett saß (ohne Anschnallgurt natürlich) und hörte Country-Musik. Die 45 km vergingen wie im Flug, was auch an der abenteuerlichen Fahrweise lag. Er setzte uns direkt vor dem Laden ab und gab uns seine Handynummer. Wenn wir bis 16 Uhr noch niemanden für den Rückweg gefunden hätten, dann würde er vorbeikommen und uns zurück nach Taverna fahren. Wie waren gerührt von dieser Freundlichkeit!

Wir mussten 1,5 Stunden warten, bis der Laden nach der Mittagspause öffnete, kauften dann die bestellten Ersatzteile und traten den Rückweg an. Wieder hatten wir großes Glück und wurden nach etwa 15 Minuten von einem PKW-Fahrer mitgenommen, der viel Mitteilungsbedarf über Korsikas Unabhängigkeitsbestrebungen, seine Reisepläne und seinen Job hatte- aber leider so undeutlich redete, dass ich nur 10% verstand.

Beim Hafen angekommen machte sich Oskar direkt daran, die Dieselleitung zu reparieren bzw. zu erneuern. Und tatsächlich: er schaffte es! Zumindest im Leerlauf im Hafen scheint der Motor wieder zu funktionieren, als wäre nichts geschehen.

Das musste gefeiert werden! Wir gingen ins Hafenrestaurant und stießen mit einem großen Bier (Oskar) und einem Cap Corse Blanc (Rosa) auf Oskars Reparatur an und gönnten uns dazu eine Portion Beignets (köstliche korsische Käsekrapfen).

Wir plauderten mit dem Wirt und erzählten ihm, dass wir unseren reparierten Motor feiern, da wir schon so lange im Hafen warten müssen. Er stimmte zu und sagte, dass wir ja schon seit einer Woche im Hafen sind. Hier bleibt aber auch nichts unbeobachtet!

Am 03.09. hätten wir theoretisch losfahren können- zumindest in Bezug auf den Motor. Aber da Wind aus Süden, Regen und Gewitter vorhergesagt waren, entschieden wir, noch einen Tag im Hafen von Taverna zu bleiben. Unser nächstes Ziel Solenzara hätten wir nur mit Kreuzen und Motor fahren erreichen können. Am Samstag (04.09.) sollte die Windrichtung günstiger für uns sein und so warteten wir noch einen Tag.

Der Tag zog sich ewig in die Länge. Wir gingen einkaufen, ansonsten vertrödelten wir mehr oder weniger sinnvoll den Tag. Unsere gute Stimmung und unser Optimismus war aufgebraucht- leider! Der Regen und der graue Himmel gaben uns noch den Rest. Abends hörte der Regen auf, wir machten einen Spaziergang am Strand und unsere schlechte Stimmung wandelte sich in Vorfreude auf die baldige Weiterfahrt. So waren wir wieder wieder gut gelaunt und zuversichtlich.

Am Samstag, den 04.09. verließen wir bei Sonnenaufgang nach zehn Tagen endlich Taverna. Früh um 7 Uhr legten wir ab. Die See war ruhig, kein Lüftchen regte sich und unser Motor tuckerte wie neu. Da die Flaute den ganzen Tag anhielt, fuhren wir die 34nm bis Solenzara mit dem Motor. Kurz vor Solenzara begann es leicht zu regnen und um 15:45 Uhr legten wir im Hafen an. Geschafft! Uns fiel ein riesiger Felsbrocken von unseren Herzen. Unser Motor läuft noch geschmeidiger, als er vor der Panne war (und schon vorher war er in super Zustand) und wir können nun beruhigt unsere weitere Route antreten.

Solenzara ist ein kleiner Urlaubsort am Meer. Eine kleine Einkaufsstraße, ein winziger Supermarkt, ein paar Restaurants und Eiscafés. Wie auch in Taverna gibt es direkt neben dem Hafen einen wunderschönen Strand. Korsika ist wirklich wunderschön: einsamer, sauberer Strand mit klarem Wasser, Palmen, hohe Berge im Hintergrund und zwischen den Berggipfeln hängen Wolken. Im Abendlicht ist die Insel besonders schön. Zwar haben wir erst wenig von Korsika gesehen aber bisher sind wir beide begeistert!