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  • Rosa

Sedan (FR) - Mouzon (FR) - Dun-sur-Meuse (FR)

Am Sonntag, den 13.06.2021 schliefen wir aus und fuhren dann von Sedan aus los. Da es nur zwei Anlegemöglichkeiten auf der Strecke gab, die vor uns lag, hatten wir die Wahl zwischen einer sehr kurzen und einer sehr langen Etappe. Wir entschieden uns für die kurze Etappe nach Mouzon. Hinter der ersten Schleuse fuhren wir ein paar Seemeilen auf einem Nebenkanal der Meuse entlang. Da das Wasser in dem schmalen Kanal ohne Strömung war und nur selten Boote durchkommen, war das Wasser voller Seegras, Algen und Pflanzen. Wir verloren an Fahrt und waren trotz Vollgas nur noch bei maximal 2 Knoten (nicht mal 4km/h) Geschwindigkeit. Wir vermuteten, dass der Propeller durch Seegras blockiert wurde, aber wollten in diesem Urwald aus Algen und Seegras auch nicht stoppen- sonst wären wir womöglich nicht wieder losgekommen. So tuckerten wir im Schneckentempo durch den Kanal und spürten, wie unsere April mit den Pflanzen kämpfte und ins Stottern kam. Nach ca. 45 Minuten hatten wir es geschafft und waren wieder auf dem Hauptarm der Meuse. Oskar ging heldenhaft ins Wasser und befreite den Propeller von ca. 2 Eimern Seegras.

Es scheint hier üblich zu sein, dass Anlegestege für Boote an einem Campingplatz angeschlossen sind. Auch in Mouzon war der kleine Campingplatz mit einem Anleger ausgestattet. Wir zahlten 8,40 Euro inkl. Benutzung der Duschen, Toiletten, Strom, WLAN und Kurtaxe. Es wird immer günstiger, je weiter wir ins Landesinnere kommen!

Mouzon ist ein verschlafenes Örtchen mit einer sehr schönen und für die Größe des Ortes beeindruckenden Abteikirche. Wir hatten neben unserem Anlegeplatz einen schattigen Vorsprung, der ein idealer Platz war um zu lesen, zu arbeiten, zu schreiben etc. Dort verbrachten wir den Nachmittag und Abend.


Am Montag, den 14.06. fuhren wir von Mouzon 21nm nach Dun-Sur-Meuse. Heute waren es 30 Grad, blauer Himmel und wir schwitzten beiden den ganzen Tag vor uns hin. Weil wir wieder durch mehrere Kanalabschnitte fuhren, die aus mehr Seegras als Wasser zu bestehen schienen, musste Oskar dreimal ins Wasser springen und unseren Propeller säubern. Jedes Mal riss er büschelweise Seegras und Algen ab, was wie nasser Salat aussah. Wir passierten sechs Selbstbedienungsschleusen, an einer davon mussten wir wieder Hilfe rufen- diese Mal war es wahrscheinlich nicht unsere Schuld. Aber sicher weiß man das nie.

Ich weiß, dass ich mich wiederhole aber es ist wunderschön. Die Meuse, die sich durch das Land schlängelt, die prächtig grüne Landschaft mit satten Wäldern und sanften Hügeln, die vielen Libellen und singenden Vögel beglücken uns beide sehr. Seitdem wir in Frankreich sind, sind uns maximal fünf andere Boote begegnet und die Häfen/Anlegestellen sind weiterhin leer.

Als wir am späten Nachmittag in Dun-Sur-Meuse anlegten, war es fast unerträglich heiß. Oskar kontrollierte den Motor und stellte fest, dass an der Welle viel zu viel Wasser eintritt. Statt 1-2 Tropfen aller paar Minuten (so soll es sein) ist es nun ca. 1l/Stunde. Da er das Problem nicht selbst beheben kann, schauten wir online nach einem Bootsmotor-Spezialisten. In Toul, was auf unserer Route liegt, wurden wir fündig und ich rief an. Tja, mein Schul-Französisch reicht, um einzukaufen, die Anmeldung im Hafen zu machen und Smalltalk mit den Campern zu führen… aber auf ein Gespräch über einen leckenden Yanmar 1GN10 hat mich die Schule nicht vorbereitet. Oskar hat mir für die wichtigen Wörter eine Übersetzung im Internet rausgesucht: „joint d‘arbre en caoutchouc“ (Gummi-Wellendichtung) und „boite à garniture“ (Stopfenbüchse). Als der Motor-Fachmann ans Telefon ging, stellte ich mich vor, sagte, dass wir ein Problem mit unserem Motor haben und stammelte was von „joint d‘arbre en caoutchouc“ und „de l‘eau“. Er antwortete etwas, was ich nicht verstand. Ich bat ihn, es zu wiederholen und verstand noch weniger. Ich entschuldigte mich, fragte ihn ob er es langsamer versuchen kann (ich wusste immer noch nicht, was er meinte) oder mit anderen Worten erklären könnte (die ich auch nicht verstand). Also probierte ich es mit „boite à garniture“ und der Wortwechsel wiederholte sich. Ich verstand kein einziges Wort, ich wusste nicht mal ob er entschlüsseln konnte was ich ihm zu erklären probierte. Vielleicht redeten wir völlig aneinander vorbei und ich redete vom Motor und er vom Anker? Leider konnte er kein Englisch und so drehten wir uns im Kreis aus Missverständnissen beidseits und Entschuldigungen meinerseits für mein Französisch. Das generelle Problem war natürlich, dass ich wahrscheinlich nicht mal auf Deutsch verstehen würde, was er sagte. Ich weiß weder, was eine Stopfenbüchse ist, noch wofür man sie benutzt oder gar wie man sie repariert. Der Mechaniker kam auf die Idee, dass wir ein Foto machen und ihm schicken können. So geschah es. Er rief zurück und das Gespräch ging von vorne los. Er stellte Fragen und gab Diagnosen, die ich nicht verstand. Ich sagte irgendwas, was er wiederum nicht verstand und wir baten uns gegenseitig, das Gesagte zu wiederholen. Ich fragte ihn irgendwann (während wir beide schon lachten wegen der Absurdität der Situation), ob wir am Donnerstag oder Freitag mit dem Boot in Toul bei seiner Werkstatt vorbeikommen können, dann kann er sich selbst ein Bild vom Problem machen. Er sagte ja und so verblieben wir. Am Ende sagte er noch, dass wir bis dahin das Problem mit „Scotch“ beheben können. „Scotch“ ist das französische Wort für Tesafilm und so richtete ich es Oskar nach dem Telefonat aus. Er war verdutzt: „Tesafilm? Das macht ja gar keinen Sinn!“ Oje, vielleicht hat der Motor-Mechaniker wirklich trotz all meiner Anstrengung nicht verstanden, was das Problem bei uns ist…

Wir gingen einkaufen, in der Meuse baden, wuschen Wäsche (das ganze Boot ist nun ein Wäschestander) und Oskar kochte. Erst als die Sonne unterging und die Mücken kamen, wurde das Wetter erträglich.