Search
  • Rosa

Saint-Mandrier-sur-Mer (FR) - Sanary-sur-Mer (FR) - Port-Miou (FR)

Am Montag, dem 13.09.2021 fuhren wir morgens von Saint-Mandrier-sur-Mer los. Leider war der Wind schwach, so dass wir mit Motor, teilweise kombiniert mit den Segeln, fuhren. Nach 15nm kamen wir am frühen Nachmittag in Sanary-sur-Mer an. Der Hafen war ungewohnt ordentlich (neue Duschen und Toiletten, gepflegte Stege…) und schön, benachbart war aber leider eine große, lärmende Baustelle. Wir gingen einkaufen und liefen durch den Ort, aßen ein Eis und spazierten am Strand lang. Sanary-sur-Mer ist eine malerische kleine Stadt mit wunderschönem alten Fischerhafen mit traditionellen Fischerbooten und kleiner Fußgängerzone. Bertold Brecht, Stefan Zweig, Thomas Mann und viele andere bekannte deutsche Literaten fanden hier eine Zuflucht, so dass der Ort auch „Hauptstadt der deutschen Literatur im Exil“ genannt wir. So schön der Ort auch ist: er ist so ordentlich, sauber und perfekt renoviert, dass er zu glatt wirkt. Es fehlt etwas Charme und Seele um sich hier richtig wohl zu fühlen.

Abends aßen wir Thunfischsteaks. Hmmhh, der Thunfisch aus dem Mittelmeer ist köstlich!

Am 14.09. gingen wir morgens spazieren, kauften Baguette und frischen Thunfisch bei den Fischern direkt am Hafen. Mittags verließen wir den Hafen von Sanary-sur-Mer und segelten nach Cassis. Bei etwa 10-15 Knoten Wind von achtern segelten wir als Schmetterling die Küste entlang. Ein wunderbarer Segeltag! Nach 17nm waren wir vor der Hafeneinfahrt von Cassis. Wir funkten den Hafen an, bekamen aber prompt als Antwort, dass sie voll waren. Also riefen wir den nahegelegenen Hafen Port-Miou an, auch dort bekamen wir die Antwort, dass sie keinen Platz mehr hatten. Das ist uns bisher noch nie passiert! Seit Beginn unserer Reise im Mai hatten wir noch nie das Problem, in einem Hafen keinen Platz zu finden! Wir waren perplex, hatten aber auch nicht wirklich eine Alternative, da Marseille und La Ciotat so weit entfernt waren, dass wir erst zur Dämmerung oder sogar im Dunklen angekommen wären.

Also funkte ich nochmal Cassis an, erklärte ihnen wie klein unser Boot sei, bekam aber trotzdem eine Absage. Also letzte Chance: ich rief nochmal Port-Miou an und erklärte, dass wir ein sehr kleines Segelboot seien und bekam überraschend eine Zusage. Der Hafenmeister meinte, dass er für ein 8m-Segelboot schon irgendwo ein Plätzchen finden würde.

Also fuhren wir in die Calanque von Port-Miou, direkt neben Cassis. Die Calanque formt einen kleinen, langgestreckten Naturhafen, in dem Segelboote jeder Größe und kleine Motorboote wie eine Perlenkette aneinandergereiht sind. Der Hafenmeister empfing uns mit seinem Schlauchboot und wies uns einen „Platz“ zu. „Platz“ heißt, er schob mit seinem Schlauchboot zwei andere Boote zur Seite, so dass wir uns noch dazwischen quetschen konnten. Beim ersten Platz klappte es nicht, bei seinem zweiten Vorschlag konnten wir dann tatsächlich anlegen.

Wir waren begeistert: das war bisher der schönste Hafen unserer Reise! Der Hafen ist sehr einfach gebaut mit schmalen Bretterstegen, die seitlich am Ufer entlang führen. Es gibt keinen Strom und kein Wasser, dafür wunderschöne Natur, Stille und friedliche Atmosphäre. Das Hafengebäude sieht aus wie eine alte Villa, beinhaltet sehr schicke Toiletten und Duschen, einen Automaten für Eiswürfel und wird von einem sehr netten Hafenmeister betreut. Es roch nach Zypressen, die Zikaden zirpten und die Sonne tauchte den Hafen in einen magischen Ort. Wir waren verzückt. Was für einen wunderschönen Ort wir noch kurz vor Ende unserer Reise entdecken dürfen! Gut, dass in Cassis kein Gastliegeplatz mehr frei war!