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  • Rosa

Minden - Bramsche - Münster

Am Freitag, den 28. Mai 2021 stand Oskar früh auf, holte um 7 Uhr morgens frische Brötchen, legte vom Mindener Yachtclub ab und fuhr los in Richtung Bramsche. Und ich… schlief währenddessen tief und fest. Der Motor ist zwar laut aber das monotone Knattern des Eintakters hat auch etwas sehr beruhigendes, so dass man während der Fahrt wunderbar schlafen kann. Um 10 Uhr stand ich auf, fühlte mich aber bis auf Schmerzen im linken Oberarm und leichte Gliederschmerzen nach der gestrigen Impfung gut. Dann machte ich Frühstück und wir aßen während der Fahrt im Sonnenschein. Ich glaube in den nächsten Wochen werden wir noch oft die Situation haben, dass ich abends lange wach bleibe, Oskar dafür früh aufsteht, Brötchen holt und losfährt und ich dann während der Fahrt Frühstück mache. Oskar sagte dazu „Das ist doch gut, wenn jeder macht was er gut kann“ und damit hat er Recht. Er kann gut früh aufstehen und hat morgens schon viel Energie um zum Bäcker zu gehen und loszufahren; ich kann gut lange wachbleiben, ausschlafen und Frühstück machen.

Es war heute schön sonnig aber die Luft war kühl. Wir erreichten mit 4,6 Knoten einen neuen Höchstwert für unsere Durchschnittsgeschwindigkeit und kamen um 15:30 Uhr in Bramsche an einem kostenlosen Liegeplatz an. Am Nachmittag gingen wir in die Stadt, kauften eine Fliegenklatsche (wir mussten sogar schon ein Mückennetz aufhängen, da wir so viele Fliegen an Bord haben) und holten uns ein Eis. Aus Interesse nahm ich mutig die Sorte „Lockdown Light“: Limetteneis mit Zitronenkeks-Stückchen. Es war wässrig, süß-sauer und ich würde es nicht nochmal bestellen. Bramsche war wie eine perfekte Modelleisenbahn-Stadt: kleine Häuschen, kein Müll, jede Familie hatte Eis in der Hand und jeder Jugendliche einen Döner. Aber insgesamt keine besondere oder sehenswerte Stadt. Den Abend verbrachten wir auf dem Boot, diskutierten ob bei Tomate-Mozzarella die Tomatenscheibe oder der Mozzarella unten ist (eindeutig die Tomate unten und Mozzarella oben, oder?) und schauten die Doku „My octopus teacher“.


Am 29. Mai fuhren wir nach Münster. Oskar legte um kurz vor 8 Uhr in Bramsche ab. Wir verließen nach 325 Kilometern den Mittellandkanal und fuhren auf den Dortmund-Ems-Kanal. Neuer Name aber optisch gibt es keinen Unterschied zwischen beiden Kanälen (zumindest für mein Laien-Auge). Kurz vor Münster passierten wir die Schleuse Münster, über die es nichts besonderes zu sagen gibt, außer dass sich die ca. 6,5m Fallhöhe wie eine Ewigkeit anfühlten. Bisher war dies mit Abstand der langsamste Schleusengang!

In Münster wollten wir im Stadthafen anlegen, wo es kostenlose Liegestellen gibt. Als wir dort ankamen, trauten wir unseren Augen kaum: das Ufer war voller Menschen, die in der Sonne saßen. Corona? Masken? Pandemie? Es war, als wären wir plötzlich in einem Paralleluniversum gelandet. Aufgrund der vielen Menschen an beiden Uferseiten musste es ein schönes Anlegemanöver werden. So sehr sind wir sonst nicht unter Beobachtung! Aber es gelang und wir legten mitten im Trubel an. Münster hat am 28. Mai die Coronaregeln gelockert, so dass man weder zum Einkaufen noch in der Außengastronomie einen Test oder Termin braucht. Außerdem können sich nun unbegrenzt viele Personen aus 5 Haushalten treffen. Da an diesem Samstag zusätzlich schönes sonniges Wetter war, war die ganze Stadt auf den Beinen. Oskar und ich machten das Boot fest und gingen in die Innenstadt, um eine neue Hose für Oskar und ein Aufladegerät zu kaufen. Die Innenstadt platzte fast aus allen Nähten, vor vielen Geschäften waren lange Schlangen. Einerseits war es toll, so viele Leute um sich zu haben und -bis auf die Masken- normales Leben zu erleben. Aber andererseits war es auch befremdlich. Man muss sich anscheinend wieder an die „Normalität“ gewöhnen.

Abends saßen wir auf unserer April, tranken Gösser, aßen Abendessen und lasen. Um uns herum steppte der Bär und es wurde immer trubeliger. Gegen 1 Uhr nachts gingen wir ins Bett und waren immer noch umgeben von Stimmengewirr und vielen Menschen. Die ausgelassene Stimmung an einem schönen Frühlingsabend machten mich sehr glücklich, ich muss aber auch gestehen, dass ich im Halbschlaf träumte, dass jemand unsere April mit Graffiti besprüht oder anklopft um unsere Toilette zu benutzen. Beides passierte glücklicherweise nicht.


Den 30. Mai (ein Sonntag) verbrachten wir in Münster. Wir schliefen aus, Oskar holte frische Brötchen und wir machten ein gemütliches Sonntagsfrühstück. Am Nachmittag machten wir einen langen Spaziergang durch die Stadt. Auch heute war viel los! Wir besichtigten den Dom und die Lambertikirche. Sowohl die Altstadt aber auch die angrenzenden Viertel gefielen uns sehr gut, Münster hat definitiv Charme. Wir aßen ein Eis, holten eine Wasserpumpe ab, die Oskar bestellt hat, liefen 3km um Diesel zu holen und genossen das Wetter. In der Abendsonne aßen wir in einem Restaurant am Hafen Pizza. Herrlich!