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Lindow - Hohen Neuendorf

Updated: May 18

Lindow - Altruppin: 10,7 nm = ca. 20 km

Altruppin - Marina Havelbaude Hohen Neuendorf: 30 nm = 55,5 km


Die erste Etappe unserer Reise begann am 12. Mai 2021. Oskar reparierte nochmal das Leck, wir beluden das Boot mit den wichtigsten Sachen, kauften ein, nahmen einen Teil unseres Gepäcks mit und fuhren los. Der Hafenmeister in Lindow staunte, als er uns fragte wohin die Reise geht und ich mit "ins Mittelmeer" antwortete. Er hat wohl eher mit Neuruppin oder Oranienburg, maximal mit Potsdam als Ziel gerechnet. Die erste Etappe kannten Oskar und ich schon. Als wie vor anderthalb Jahren von Berlin nach Lindow fuhren, war der Wasserpegel im Oktober wegen des trockenen Sommers sehr niedrig. Wir hatten mehrere Grundberührungen und blieben zweimal (einmal unter einer Brücke und einmal vor einer Schleuse) stecken. Kein schönes Gefühl! Der 1,3 m Tiefgang und Langkiel der Hurley sind eben nicht für die kleinen Flüsse Brandenburgs gedacht sondern für den Atlantik und die Küste Englands!

Der Hafenmeister in Lindow meinte, dass der Wasserpegel diesen Frühling so hoch ist wie seit fünf Jahren nicht mehr. Somit waren wir zuversichtlich, dass wir es gut nach Oranienburg schaffen würden, wo Hauptwasserstraßen beginnen und der Tiefgang kein Problem mehr darstellt.


Leinen los, auf ins Mittelmeer! Das Wetter war mies: grau, kalt und Nieselregen. Dadurch waren kaum Boote unterwegs und wir waren fast die ganze Zeit allein auf dem Wasser, was immerhin ein Vorteil des schlechten Wetters war. Unsere Stimmung war fantastisch gut, egal wie grau das Himmel war und wir freuten uns über die Reise, die vor uns lag. Der Motor, der ebenfalls anderthalb Jahre Pause hatte, viele frostige Nächte überstehen musste und von Oskar gewartet wurde, sprang sofort an und machte einen guten ersten Eindruck. Oskar fuhr das erste Stück während ich die ersten Dinge unter Deck verstaute. Ich richtete unser Zuhause für die nächsten 4,5 Monate ein - ein unwirkliches aber wundervolles Gefühl!

Wir fuhren vom Gudelacksee den Rhin entlang, durchquerten mehrere Seen und schöne Laubwälder. Die Strecke vom Gudelacksee nach Altruppin ist zauberhaft schön mit unberührter Natur, malerischer Landschaft und unzähligen Vögeln, die sich durch unseren Motor nicht stören ließen. Traumhaft (nur Nieselregen hätte es im Traum wohl nicht gegeben)!

Abends kamen wir an der Schleuse Altruppin an und blieben dort über Nacht. Unser Butan-Kocher wärmte unser erstes Abendessen auf und bei Kerzenlicht aßen wir Linsensuppe, tranken Tee und spielten Kniffel.



https://www.sailing-april.de/videos-1?wix-vod-video-id=6451c97241564b6fa4b7ef68033ec7d6&wix-vod-comp-id=comp-koroksju


Am nächsten Tag um 08:30 Uhr passierten wir die Schleuse Altruppin, fuhren dann an Neuruppin vorbei und zur Schleuse Altfriesack. Auch dort wurden wir gefragt, wo wir hinfahren und antworteten, dass wir auf dem Weg ins Mittelmeer sind. Die Schleuserin war begeistert und erzählte uns, dass sie schon mal ein Boot geschleust hat, das ebenfalls von Lindow ins Mittelmeer fahren wollte. Da das andere Boot es nur bis Köln geschafft hat, wünschte sie uns Glück unser Ziel zu erreichen. Leider war sie dann mit der Schleuse beschäftigt und wir werden wohl nie erfahren, warum das Boot bzw. die Bootsfahrenden nur bis Köln gekommen sind.

Von Altfriesack fuhren wir durch den Bützsee, dessen Ufer als Naturschutzgebiet gesperrt ist. Um unser Boot flogen hunderte Schwalben, drehten knapp über der Wasseroberfläche ihre Runden und ich hätte noch lange auf dem See verweilen und den Schwalben bei ihren Flüge zuschauen können. Aber das kalt-feuchte Wetter trieb uns schnell voran, so dass wir den See rasch überquerten. Für uns war das Wetter zwar unangenehm aber auf unserem Weg sahen wir unzählige Männergruppen, die mit Bier, Grill, Kostümen etc. am Ufer im Nieselregen standen und frierend den Herrentag feierten. Da hätte ich nicht tauschen wollen!

Die nächste Schleuse auf unserer Route war die Schleuse Tiergarten, nicht zu verwechseln mit dem Berliner Stadtteil. Danach fuhren wir in Oranienburg auf die Havel und waren somit auf einer Hauptwasserstraße. Wir hatten nur zwei kurze Grundberührungen mit unserem Kiel und haben die flache Strecke somit gut hinter uns gebracht!

An der Schleuse Pinnow mussten wir 1,5 h warten. Da wir inzwischen beide durchgenässt waren, machten wir es uns mit Tee, Decke und Wärmflasche unter Deck gemütlich bis der nächste Schleusengang stattfand. Eigentlich hatten wir überlegt bis nach Henningsdorf zu fahren, das schlechte Wetter reichte uns aber und so fragten wir kurzfristig einen Gastliegeplatz in der Marina Havelbaude in Hohen Neuendorf an, wo wir dann 18:30 Uhr ankamen. Für die Strecke zum Berliner Stadtrand haben wir wegen der Schleusen eigentlich mehr Zeit eingeplant. Die Schleuse Pinnow schleust zum Beispiel von Montag bis Donnerstag nur 08:00 bis 08:45 Uhr - na Danke! Wir hatten Glück, dass am 13. Mai 2021 Himmelfahrt und somit Feiertag war, denn dadurch hatten alle Schleusen zusätzliche Schleusgänge. Nur so schafften wir es wider Erwarten schon am Donnerstagabend in Hohen Neuendorf zu sein. Die nächsten Tage nutzten wir, um täglich das Leck weiter zu reparieren, nochmal bei AWN Flickzeug zu holen, das Boot jeden Tag voller zu beladen (von Anziehsachen und Handtüchern über Anker und Schlauchboot bis hin zu Rettungsinsel und Bücher), mehrere Einkäufe zu machen und Proviant an Bord zu verstauen.