Search
  • Rosa

Fazit

Nun, da unsere großartige Reise vorbei ist, möchten wir noch einen letzten Blogeintrag erstellen und unser Fazit mit euch teilen.


1. Abschnitt: Flüsse und Kanäle


Berlin und Brandenburg

Wir wussten schon, dass die Flüsse und Seen rund um Berlin wunderschön sind. Somit war es für uns keine Überraschung aber trotzdem waren wir wieder begeistert, wie abwechslungsreich, idyllisch und ruhig die Berliner Gewässer sind. Man könnte mit einem Boot monatelang nur in Brandenburg unterwegs sein! Aber dafür wäre ein Motorboot die bessere Wahl. Neu war für uns die Fahrt durch die Innenstadt von Berlin. Man braucht einen Funkschein, um am Regierungsviertel vorbeifahren zu dürfen, sobald diese Hürde aber genommen ist, lohnt sich die Fahrt sehr. Wir hatten Glück, dass pandemiebedingt kaum Touristenschiffe auf der Spree unterwegs waren und wir so nicht dem normalen Verkehr ausgesetzt waren. Ich kann mir vorstellen, dass es sonst sehr stressig sein kann!



Mittellandkanal

Bezüglich des Mittellandkanals waren unsere Erwartungen sehr niedrig. Wir stellten aber fest, dass am Ufer nicht so viele Industrieanlagen waren, wie wir dachten. Stattdessen ist der Kanal die ganze Zeit von einem Radweg flankiert und führt schnurgerade durch Wälder, Felder und große Städte wie Hannover und Wolfsburg.



Rhein

Der Rhein bzw. Waal war für uns purer Stress. Einerseits herrscht natürlich extrem viel Schiffsbetrieb und unsere kleine April war eine Nussschale zwischen den gigantisch großen Schubverbänden und Containerschiffen. Was aber für uns zusätzlich sehr unangenehm war, waren die hohen Wellen, die entgegengesetzt der Strömung liefen und durch die großen Schiffe verstärkt wurden. Mit so einem kleinen Boot würden wir beide nie wieder auf dem Rhein fahren wollen.



Maas/Meuse

Die Maas bzw. Meuse ist in der Niederlande und in Belgien streckenweise sehr schön, rund um Liège bis Huy erschreckend industriell und hässlich. Es war viel Berufsschifffahrt unterwegs, aber die Schiffe waren deutlich kleiner als auf dem Rhein. Mit den Schleusen verbinden wir unangenehme Erinnerungen… Aber wir waren in sehr schönen Häfen, konnten in Maastricht kostenlos mitten in der Stadt liegen und würden der Niederlande gerne nochmal mit einem Boot einen Besuch abstatten.



Französische Kanäle

Ab der französischen Grenze (bzw. eigentlich schon ab Huy) waren die Kanäle und Flüsse zauberhaft. Insbesondere die Meuse (Canal de L‘Est Branche Nord) und der Canal des Vosges (Canal de l’Est Branche Sud) waren malerisch schön. Durch die schmalen Kanäle kommen kaum Boote, die Natur ist zum Greifen nah, man ist umgeben von Vögeln, Fischen und Libellen und kommt durch kleine Orte, die vom Tourismus noch verschont geblieben sind. Es gibt viele gute Anlegemöglichkeiten, die entweder umsonst sind oder sehr wenig Geld kosten (i.d.R. unter 10 Euro/Nacht inkl. Strom und Wasser) und fast immer sind Supermärkte und Bäcker in der Nähe. Die Schleusen sind automatisch (mit Fernbedienung) oder werden manuell von einem Schleusenwärter betrieben. Bei etwa jeder dritten Schleuse gab es ein technisches Problem, so dass man VNF anrufen muss und sie einen Schleusenwärter schicken. Durch die vielen Schleusen und Algen ist man langsam unterwegs und sollte viel Zeit einplanen. Insgesamt ist eine Fahrt auf den Flüssen absolut empfehlenswert, wenn man ein Boot hat, dass nicht tiefer als 1,40m ist und kein Problem damit hat, ins Wasser zu springen und Algen vom Propeller zu rupfen. Die Mühe, die man mit den Algen und den vielen Schleusen hat, wird mit verwunschener Natur, dem Charme der alten Kanäle, Tunnel und Schleusen und vollkommener Einsamkeit mitten in Frankreich belohnt.



Saône

Die Saône ist ebenfalls landschaftlich schön, hat ebenfalls viele gute Anlegestellen und einfache Versorgungsmöglichkeiten. Außerdem führt die Saône durch sehr sehenswerte Städte. Die Fahrt durch Lyon ist besonders beeindruckend. Aber die Saône ist ein breiterer Fluss, es sind etwas mehr Boote unterwegs und man muss den Fluss wieder mit der Berufsschifffahrt teilen.



Rhône

Auf der Rhône waren wir wegen der Strömung und des hohen Wasserpegels sehr schnell unterwegs, so dass wir nur wenige Tage auf dem Fluss verbrachten. Die Schleusen sind super gut organisiert, überall gibt es Schwimmpoller und somit sind die Schleusen deutlich angenehmer als auf den deutschen, belgischen und niederländischen Berufsschifffahrts-Wasserstraßen. Leider gibt es nur sehr wenig Anlegemöglichkeiten, wodurch man wenig Spielraum in der Planung hat. Man muss in den Häfen übernachten, kostenlose Liegestellen gibt es nicht und landschaftlich gehörte die Rhône zu den eher eintönigen Abschnitten unserer Reise auf den Binnengewässern. Aber auch die Rhône hat ihren Reiz, man kann Avignon besichtigen und kommt an schönen Weinbergen vorbei. Man sollte aber beachten, dass der Motor stark genug ist, ein Stück gegen die Strömung fahren zu können, sonst kann man den Anleger in Avignon nicht erreichen. Unser Yanmar 10 PS-Motor hat es geschafft aber ein stärkerer Motor wäre gut gewesen.




2. Abschnitt: Mittelmeer


Côte d‘Azure

Die Côte d‘Azure hat uns besser gefallen, als wir erwartet haben. Es gibt viele schöne Ankerplätze (z.B. Calanque de Sormiou, Îles de Lérins, Porquerolles) aber man sollte sich darauf einstellen, dass man im Sommer nirgendwo alleine ist. Die Franzosen ankern sehr dicht und wir hatten viele Momente, wo wir einen Schreck bekamen, wie nah jemand neben uns seinen Anker reinwarf. Dadurch sind die Buchten sehr voll und man hat nur einen kleinen Radius für sich. Aber zum Glück bleibt meistens nur ein Teil der Boote über Nacht. Wir haben die „berühmten“ Orte der Côte d‘Azure gemieden und sind an Antibes, Cannes, Nizza und Saint-Tropez vorbeigesegelt. Zwar sind die Hafengebühren für ein Schiff unserer Größe günstig, aber wir wollten lieber Orte entdecken, die nicht so touristisch sind. Der schönste Hafen unserer ganzen Reise und unser Highlight an der Côte d‘Azure war Port-Miou. Der Naturhafen hat uns mit seiner Schönheit beeindruckt und ist eine Ruheoase an der touristischen Mittelmeerküste. Außerdem sind Cassis und der Calanque-Nationalpark in Spazierentfernung.



Italienische Küste

Auf meinen Wunsch hin sind wir nach Genua und Cinque Terre gefahren. Einerseits wollte ich dort Maite treffen, für die Genua eine zweite Heimat ist und andererseits hat sie immer so von der Region geschwärmt, dass sie mich neugierig gemacht hat. Oskar war skeptisch, erfüllte mir aber den Wunsch. Letztendlich hat uns der Küstenabschnitt von Genua nach Portovenere so gut gefallen, dass wir gerne mehr Zeit dort verbracht hätten. Durch Wind und Wetter konnten wir nicht so lange bleiben, wie wir wollten- schade! Wir wissen nicht, ob es Zufall war, aber es waren kaum Boote unterwegs und wir hatten die Mooring- und Ankerplätze fast für uns alleine. Camogli, Vernazza und Portovenere sind wunderschöne kleine Orte wie aus einem Bilderbuch. Das Essen, das italienische Ambiente bis spät in die Nacht und die schöne Natur sind definitiv einen Besuch wert. Ab Portovenere bis Elba ist die Küste nicht mehr sehenswert, insbesondere ab Viareggio. Es gibt keine Ankerplätze mehr, die Häfen sind überteuert und landschaftlich gibt es nichts zu sehen.



Elba

Da wir windbedingt nur drei Tage für Elba Zeit hatten (zwei Tage haben wir vor Portoferraio geankert und einen Tag an der Südküste), können wir nicht wirklich ein Urteil abgeben. Aber wir haben Elba ohne Bedauern verlassen und hatten nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben.



Korsika

Korsika hat uns sehr gut gefallen. Bei unserer Routenplanung habe ich wenig Wert auf Korsika gelegt, habe aber festgestellt, dass ich Korsika unterschätzt habe. Die Insel hat alles zu bieten, was man für einen Urlaub am Mittelmeer braucht: weiße, menschenleere Strände, türkisblaues Wasser, wunderschöne Ankerbuchten, kleine Inseln, hohe Berge, malerische Städte, Palmen und leckeres Essen. Da wir wegen der Dieselleitung zehn Tage in Taverna waren, blieb uns für den Rest von Korsika nur wenig Zeit, was sehr schade war. Aber wir werden sicherlich wieder nach Korsika fahren! Für jeden, der mit einem Boot im Mittelmeer unterwegs ist, können wir Bonifacio empfehlen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine spektakulärere Einfahrt in einen Hafen gibt!



Nach Sardinien haben wir es leider nicht geschafft. Aber von mehreren anderen Seglern haben wir gehört, dass Sardinien überteuert ist, kleine Segelboote wie Dreck behandelt werden und insbesondere im August so viele große Motorboote an der Küste und den Inseln unterwegs sind, dass es keinen Spaß macht.


Unsere zehn Lieblingsorte: Münster, Maastricht, die Kanäle von Huy bis Corré, Lyon, Avignon, Camogli, Vernazza, Bonifacio, Île Lavezzu, Port-Miou.


Unsere zehn liebsten Erlebnisse: mit dem eigenen Boot durch Berlin fahren, Eisvögel sehen, Tour de France inkl. Trampen, Mietauto nach Annecy, in die Cevennen und nach Uzès, Openair-Oper in Viareggio, mein Geburtstag in Portovenere, das Wochenende mit Maite, die Tage in Lyon bei meiner Gastfamilie, Delfine und einen Wal zu sehen, einen Fisch fangen.



Wir haben tolle Leute kennengelernt mit denen wir immer noch in Kontakt sind: Michael mit seiner Familie, Saskia und Alex, Ute und Wolfgang, Per und Elisabeth, Emmanuel, Jelena und Jakub. Außerdem hatten wir als Gäste an Bord: Christof und Sylvia, Sophie, Familie Verney, Annette und Dieter, Maite und den neuen Eigentümer Peter.




Wir haben von Anfang an gesagt, „die Reise kostet, was es kostet“ und es ist quatsch, bei einer so einmaligen Reise knauserig zu sein. Wir sind mit den Kosten mehr als zufrieden und haben durchschnittlich 56 Euro/Tag ausgegeben (inkl. Essen, Häfen, Ausflügen, Tanken, Restaurants, Bootsreparaturen, Eintrittsgelder u.v.m.). Wir haben auf nichts verzichtet, hatten einen großartigen Sommer und haben trotzdem nicht mal 1000 Euro pro Person im Monat bezahlt- wenn wir in Berlin geblieben wären, hätten wir mit Miete, Essen usw. mindestens genauso viel für den Alltag ausgegeben.


Es war eine gute Entscheidung, ein altes Boot zu kaufen, zu renovieren, damit zu reisen und dann wieder zu verkaufen. Charter für vier Monate hätten wir uns nicht leisten können und April zu behalten wäre unvernünftig gewesen. Wir werden viel an sie zurückdenken und sie sicherlich oft vermissen aber freuen uns auch, dass wir sie in gute Hände geben konnten.




Das Meer hat seinen Tribut gefordert. Wir haben verloren: ein Fender, ein Küchenhandtuch, ein großes und ein kleines Handtuch, Rosas Badelatschen (hat wahrscheinlich jemand vom Steg mitgenommen, Funk-Antenne (neu gekauft), Ankerlicht (neu gekauft), Oskars Basecap (zweimal ins Wasser gefallen, zweimal wieder rausgefischt), Oskars Badehose, Oskars Nagel vom linken großen Zeh, Angelhaken


Es geht alles kaputt, was nur kaputt gehen kann: Teekanne, Eimer, Schalter für die Frischwasserpumpe, Dieselleitung und Vorfilter, Hosen und Shirts, ein Glas Rinderfond, das in der Bilge kaputt gegangen und ausgelaufen ist, Kescher, Rosas Aquarellpinsel und vieles, das uns nicht mehr einfällt.

Das Beste der Reise war unsere Zeit zu zweit. Wir haben uns noch besser kennengelernt (obwohl wir dachten, dass nicht viel Steigerung möglich ist), haben gemeinsam Entscheidungen getroffen und Probleme gelöst, haben auf wenigen Quadratmetern 18 Wochen lang rund um die Uhr zusammen gelebt und sind ein eingespieltes Team an Bord geworden. Eine solche Reise kann man nicht mit jedem machen und wir würden es jederzeit wieder zusammen machen.



Danke an alle, die diesen Blog verfolgt haben.

Danke an alle, die uns so wunderbar unterstützt haben.

Danke an April, dass sie uns 2000 nautische Meilen durch Europa getragen hat und wir heil angekommen sind. Danke an uns, dass wir unseren Traum einfach in die Tat umgesetzt haben - es hat sich so sehr gelohnt!