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  • Rosa

Brandenburg an der Havel - Burg bei Magdeburg - Wolfsburg

Updated: Jun 29

Am 22. Mai 2021 fuhren wir knapp 30 nm d.h. 55 km von Brandenburg an der Havel bis Burg bei Magdeburg. Oskar nutzte die Gelegenheit, dass wir am Rewe Anlegesteg festgemacht hatten und ging morgens frische Brötchen kaufen. Was für ein Luxus! Um 09:00 Uhr fuhren wir los. Auch heute hatten wir starken Gegenwind, der aber weniger störte als der kalte Regen und die kalte feuchte Luft. Unsere April ist ein perfektes Boot aber das einzige Manko bei solchem Wetter ist, dass wir uns nicht unterstellen können sondern beim Fahren die ganze Zeit im freien sind. So sind wir zwar den ganzen Tag an der schönen frischen Luft (und haben uns sogar auf der Fahrt von Berlin nach Potsdam beide einen Sonnenbrand geholt) aber sind dem Wetter auch ausgeliefert. Oskar hat inzwischen eine Plane über den Mast gespannt, die uns etwas vor Regen schützt aber insgesamt war die Fahrt nach Burg sehr ungemütlich. Unterwegs passierten wir zwei große Schleusen: Wusterwitz und Zerben hatten beide ca. 5m Hubhöhe, da fühlten wir uns mit unserer kleinen April schon etwas verloren. In der Schleuse Zerben bekamen wir vom Schleuser eine Standpauke, weil wir seine genuschelte Ansage nicht richtig verstanden haben und nicht wussten, dass wir schon in die Schleuse einfahren durften. Wegen uns habe er zehn Minuten seiner kostbaren Zeit verloren und auch unsere wiederholte Entschuldigungen konnten ihn nicht besänftigen. Um 18 Uhr kamen wir in Burg bei Magdeburg an. Nach dem Abendessen wurde das Wetter freundlicher und der Himmel klarte auf, so dass wir einen Spaziergang durch die Stadt machten. Von den Gebäuden her ist Burg eine hübsche Stadt, hat das älteste Kino Deutschlands und einen schönen Park. Aber obwohl es Samstagabend war und inzwischen Außengastronomie erlaubt ist, war die Stadt gespenstisch ausgestorben und trostlos. Schade, es könnte ein hübsches Städtchen sein wenn es etwas belebter wäre! Auf dem Weg zurück zum Boot sahen wir die riesige „Burger Knäckebrot“- Fabrik. Zumindest eine Sache, die Burg besonders macht.


Am 23. Mai, dem Pfingstsonntag, fuhren wir um 08:15 Uhr los. Wieder regnete es, war kalt und grau und wieder hatten wir starken Gegenwind. Ich hoffe sehr, in den nächsten Tagen weniger als ein Unterhemd, ein Langarmshirt, einen oder sogar zwei Pullis, eine Regenjacke, einen Schal, eine Jeans, lange Kniestrümpfe und dicke Wollsocken tragen zu können! Wir kamen zur Schleuse Hohenwarthe, der Schleuse am Wasserstraßenkreuz, wo der Mittellandkanal auf einer Brücke über die Elbe führt. Über Funk wurde uns gesagt, dass wir mit dem Motorboot „L‘ora blu“ in der Schleuse im Päckchen liegen sollen. Wir sind mit der Besatzung des Motorbootes schon vorher ins Gespräch gekommen und haben festgestellt, dass wir bis in die Niederlande die gleiche Strecke fahren. Sie kommen von Zehdenick und überführen das große schicke Boot zu seinem neuen Heimathafen. So hatten wir nette Gesellschaft beim Warten und Schleusen. Die Schleuse Hohenwarthe ist beeindruckend. Die Fallhöhe ist 18,5 m, so dass „L‘ora blu“ an einem Schwimmpoller festmachte, der an der Spundwand auftreibt. Eigentlich sehr komfortabel. Wir hatten es noch einfacher und lagen mit der “L‘ora blu“ im Päckchen. Das Schleusen dieser beeindruckenden Höhe ging erstaunlich schnell und dann fuhren wir weiter in Richtung Kanalbrücke Magdeburg, der größten Kanalbrücke Europas. Oskar hat sich extra für die Kanalbrücke eine Drohne gekauft, aber da es regnete, sah es so aus als könnte er die Drohne gar nicht fliegen lassen. Kurz vor der Brücke hörte dann der Regen auf, dafür nahm der Gegenwind zu. Bei so starkem Wind kann die Drohne auch nicht fliegen, was für ein Pech! Als wir etwa die Mitte der Brücke erreicht haben, nahm Oskar seinen Mut zusammen und startete trotz starkem Wind die Drohne. Alles klappte gut und er schaffte es, die Drohne in der Luft wieder zu fangen. Zwar ist auf dem Video nicht drauf, wie wir über die Elbe fahren aber es ist trotzdem ein tolles Video geworden!

Die Strecke bis Wolfsburg war eigentlich langweilig, da es „nur“ der Mittellandkanal war. Aber wider Erwarten ist es eine abwechslungsreiche Strecke aus Industrie und Natur, Fabriken und Wäldern. Wir begegneten sehr vielen großen Binnenschiffen, die Mulch, Schrott, Container etc. geladen hatten, sahen aber auch einen Fasan am Ufer, mehrere Biberbauten, viele Vögel und Menschen, die am Kanal entlang spazierten. Manchmal werden wir trotz Vollgas von Joggern überholt… dabei wird uns dann bewusst, wie langsam wir unterwegs sind auch wenn wir unser Maximaltempo (ca. 10 km/h) fahren.

Im Laufe des Tages wurde das Wetter freundlicher, so dass es am Nachmittag unerwartet sonnig und schön wurde. Wir wechselten uns beim Fahren ab, so dass jeweils einer von uns Pause hatte und aufräumen, lesen, abwaschen, dösen oder Kreuzworträtsel machen konnte. Gegen 19:30 Uhr kamen wir in Wolfburg an, wo wir einen Gastliegeplatz im Hafen des Motorbootclubs reserviert hatten. Die „L‘ora blu“ ist schon vor uns angekommen und wir wurden von Michael, Udo und Dirk zum Abendessen eingeladen, worüber wir uns sehr gefreut haben. Sie haben eine bunte Mischung bestellt: griechische Salate, Lasagne, Burger, Pommes, Köfte mit Tzatziki und Pommes, indisches Fladenbrot und Dönerbrot. Mit Weißwein, Nachos und Salsa wurde das internationale Essen abgerundet. Wir saßen zu fünft in der Abendsonne im Hafen hatten einen sehr unterhaltsamen Abend. Später zeigten wir ihnen unsere April und bekamen anschließend eine Führung durch die „L‘ora blu“. Ein wirklich schickes Motorboot mit allem, was das Herz begehrt! Kleiner Vergleich:

April: 27 Fuß lang, ein 9 PS Eintakter, 20l Dieseltank, 100l Wassertank (aber die Pumpe funktioniert noch nicht d.h. eigentlich haben wir momentan keinen Wassertank), ein Waschbecken, ein Chemieklo, eine Bettkonstruktion die wir jeden Abend aufbauen müssen, eine Wärmflasche.

L‘ora blu: 40 Fuß lang, 110 PS plus Heckstrahlruder und Bugstrahlruder, 800l Dieseltank, 500l Wassertank, drei Waschbecken, zwei Toiletten mit Spülung, zwei Duschen, eine Waschmaschine plus Trockner, drei Kajüten mit Doppelbetten und ein Reservebett im Salon, Heizung und Klimaanlage.

Michael erzählte, dass er in Berlin bei der Durchfahrt einer Brücke erst zu spät gemerkt hat, dass die TV-Antenne zu hoch für die Durchfahrt war und er dann zurückmanövrieren musste weil ein anderes Boot ihm entgegenkam. Oskar und ich schauten uns an: das waren wir! In diesem Moment stellten wir fest, dass wir der „L‘ora blu“ schon in Berlin begegnet sind - deswegen kamen mir das Boot und der Name so bekannt vor! Wir wollten die “L‘ora blu“, die uns entgegen kam, zuerst durch die schmale Brücke lassen, dann waren sie aber zu hoch und drehten an der Brücke seitlich ab um den Anennen-Aufbau wegzuklappen. Wir dachten, dass sie einen Moment brauchen und warten würden, bis wir durchgefahren sind. Ich gab also wieder Gas um durch die Brücke zu fahren. Aber als wir gerade in der Brückendurchfahrt waren, gab auch die „L‘ora blu“ Gas und fuhr wieder auf die Brückendurchfahrt zu. Plötzlich war es sehr knapp und ich sah vor meinem inneren Auge schon den Bug unserer kleinen April in das schicke große Motorboot rammen. Das wäre sehr unschön und sehr teuer geworden und bei Kollision unserer GFK-April mit einem großen Stahlrumpf hätte es beachtliche Schäden geben könne. Ich legte also den Rückwärtsgang ein, gab Vollgas aber wegen des Langkiels driftet der Rumpf von April beim Rückwärtsfahren immer stark nach backbord ab. Eine Kollision mit der steinernen Brücke wäre auch nicht die Lösung gewesen, so dass ich wieder den Vorwärtsgang zum Manövrieren einlegte. Oskar war währenddessen am Bug, die „L‘ora blu“ manövrierte mit Bugstrahlruder etc. und so konnte mit vereinten Kräften eine Kollision verhindert werden. Puh! Da ich aus dem Vorwärts- direkt in den Rückwärtsgang und zurück geschaltet habe und sich der Motor komisch anhörte, hatten wir dann noch Sorge, dass wir nun einen Motorschaden haben. Aber Ende gut, alles gut und sowohl die „L‘ora blu“ als auch wir sind mit einem Schreck davon gekommen. Als wir nun feststellten, dass diese Situation in Berlin die „L‘ora blu“ und April waren, war das wirklich skurril. Ich entschuldigte mich für meine Reaktion an der Brücke, die als Resultat aus Schreck und Verärgerung nicht besonders nett war. Es waren so wenige Boote an dem Tag in Berlin unterwegs… und nun sitzen wir gemeinsam in Wolfsburg im Salon der „L‘ora blu“ und haben einen schönen Abend zusammen! Man sieht sich eben immer zwei Mal im Leben und nun können wir alle darüber lachen.

Gegen Mitternacht gingen Oskar und ich dann zurück zu unserem Boot, schnappten unsere Waschsachen und ließen den Tag mit einer warmen Dusche im Hafenhaus ausklingen. Was für ein schöner Zufall, dass wir die „L‘ora blu“ nach Berlin nochmal an der Schleuse Hohenwarthe und in Wolfburg getroffen haben! Wir hatten mit Michael, Udo und Dirk einen so kurzweiligen und netten gemeinsamen Abend, dass Oskar und ich hoffen, dass man sich in diesem Fall mehr als zwei- oder dreimal im Leben sieht.