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  • Rosa

Bains-les-Bains (FR) - Corre (FR) - Seveux (FR) - Gray (FR)

Updated: Jun 29

Am 26.06.2021 fuhren wir morgens vom Liegeplatz in Bains-les-Bains los und fuhren 15nm und 18 Schleusen bis zum Ende des Canal des Vosges. Oskar war ein Kavalier und den ganzen Tag am Steuer, so dass ich Fotos machen konnte, uns aus Reiseführern vorlas und die Aussicht genießen konnte. Es war heute sehr abwechslungsreich: der Kanal führte durch kleine Orte wie Fontenoy-le-Château, war an manchen Stellen quer durch einen Hügel in den Fels geschlagen, war abwechselnd von Tälern, Feldern und Wäldern gesäumt und wir begegneten sechs Booten. Wow, so viele haben wir seit Belgien nicht mehr an einem Tag gesehen!

In Corre erreichten wir das Ende des Canal des Vosges und mussten unsere Fernbedienung abgeben. Da auch der Zuständigkeitsbereich von VNF Nord aufhörte, fühlte es sich wie ein kleiner Abschied von Didier und all den anderen stets freundlichen und hilfsbereiten VNF-Mitarbeitern an. In Corre legten wir im Hafen an und seit Toul (d.h. seit Beginn des Canal des Vosges) ist es der erste Halt mit Duschen und Toiletten, da der ganze Kanal nur einfache kostenlose Liegeplätze hatte. Wir nutzten den gut ausgestatteten Hafen und wuschen Wäsche, gingen einkaufen und Oskar bereitete Abends Wraps zu, die wir mit Cidre in der Abendsonne genossen. Cidre und Oskars selbstgemachter Eistee sind unsere liebsten Getränke an Bord und helfen uns die Hitze gut zu überstehen.

Am Sonntag, den 27.06. begann unsere Reise auf der Saône. Die Saône entspringt westlich der Vogesen in Vioménil und trifft nach 70km in Corre auf den Canal des Vosges und den Nebenfluss Côney. Ab Corre ist die Saône kanalisiert mit Durchstichen, Schleusen, Abkürzungen und Tunneln und ist somit als sog. „kleine Saône“ schiffbar.

Die Saône gefiel uns auf Anhieb. Sie hat ein breites Flussbett und unzählige Kurven, man schaut auf weite Wiesen und Felder. Uns sind ca. zehn Boote begegnet, doch weiterhin sind wir die einzigen Deutschen auf dem Wasser. Die Saône-Schleusen sind Selbstbedienungsschleusen, aber man hat keine Fernbedienung. Stattdessen hängt kurz vor der Schleuse ein Kabel quer über den Fluss, an dem ein Gartenschlauch baumelt. Diesen Gartenschlauch muss man im Vorbeifahren packen und drehen, dann wird die Schleuse aktiviert und öffnet die Tore oder füllt bzw. leert die Schleusenkammer.

Wir passierten zwölf dieser Selbstbedienungsschleusen und einen Tunnel. Der Tunnel de St. Albin war 680m lang, gut beleuchtet und unspektakulär… dachte ich. Doch als ich im Internet was über die Geschichte des Tunnels lesen wollte, stieß ich auf diese Beschreibung vom Office de Tourisme von Scey sur Saône: „In der Nähe von Saint-Albin entdecken Sie den Juwel vom Val de Saône: der Tunnel von Saint-Albin. Er ist 681 Meter lang, wurde unter der Regierung von Napoleon III gebaut. Dieser unterirdische Kanal ist denkmalgeschützt, das sich ideal erweist um zu entspannen und um zu spazieren“. Da es im Kanaltunnel keinen Weg oder Pfad sondern nur eine Eisenkette an der Wand gibt, mit der man sein Boot notfalls aus dem Tunnel ziehen könnte, denke ich mal, dass sich Übersetzungsfehler auf der Website eingeschlichen haben. Ich wüsste jeden Falls nicht, wie man im Tunnel entspannen oder gar spazieren soll. Und als Juwel bezeichnen würde ich den Tunnel auch nicht.

An einer Schleuse war ein kleiner Tisch aufgebaut, auf dem mehrere verschiedene Flaschen Wein standen. Daneben war eine Verkaufstafel aufgestellt, auf der die regionalen Weine aufgelistet waren. Die Selbstbedienungsschleuse wurde von einem jungen Schleuser beaufsichtigt (oder war er nur da, um den Wein zu verkaufen und hatte ein VNF-Shirt als Tarnung an?). Bei ihm kauften wir zwei unterschiedliche Flaschen Wein und er reichte uns während wir schon tiefer sanken die gekühlten Flaschen runter zum Boot. Herrlich!

Da es weniger Schleusen und kaum Algen auf dem Weg gab, schafften wir 40nm bis Saveux. Dort legten wir im Hafen an, der voller Gast- und Dauerlieger war. Der kleine Ort Saveux ist bestenfalls als traurig zu bezeichnen. Ich habe selten einen Ort gesehen, bei dem der Ausdruck „die Zeit ist stehengeblieben“ so gut passt.

Den ganzen Tag war Aprilwetter mit abwechselnd Regen-Sonne-Wolken-Regen-Wolken-Sonne und so weiter. Da der Himmel sich abends endgültig für den Regen entschied, verbrachten wir den Abend unter Deck, Oskar machte wieder Sushi und wir tranken ein Flasche vom Schleusen-Wein.


Am Morgen des 28.06. regnete es und bis auf kurze Unterbrechungen blieb es leider den ganzen Tag verregnet, kühl und grau… Wir verließen Saveux und kamen nach wenigen Minuten in den 643m langen Tunnel de Savoyeux, der letzte Kanaltunnel unserer Reise. Kurz hinter dem Tunnel begegneten wir einem anderen deutschen Segelboot, das vor unseren Augen auf Grund lief und steckenblieb. Sie versuchten mit Bugstrahlruder und Vollgas loszukommen, aber ihre Bavaria 38 bewegte sich nicht. Oskar bot ihnen an, dass wir sie rausziehen können, was sie gerne annahmen. Mit ein paar Anläufen schafften wir es, die Bavaria aus der Untiefe zu ziehen. Das Paar war sichtlich erleichtert und schien mit der Situation so überfordert, dass wir mutmaßten, dass es ihre Premiere war und sie bisher noch nicht steckengeblieben sind. Als Dank gaben sie uns eine Flasche Rotwein und wir fragten sie, wie tief sie sind und welche Route sie geplant haben. Als sie sagten, dass sie einen Tiefgang von 1,60m haben und den Canal des Vosges hochfahren werden, mussten wir schlucken. Wir erklärten ihnen, dass sie vorsichtig fahren müssen, da auch wir mit unseren 1,30m Tiefe mehrmals im Canal des Vosges steckengeblieben sind oder spürbare Grundberührungen hatten. Als wir weiterfuhren sind, lobten wir unsere April: sie hat es geschafft, die deutlich größere und modernere Bavaria zu retten! Es war ein bisschen, als hätte David es geschafft, Goliath aus dem Schlamm zu ziehen. Der Bavaria steht noch eine große Herausforderung bevor. Der Canal des Vosges hat zwar eine Mindesttiefe von 1,60m, aber da der Kanal verschlammt und wenig befahren wird, sind die 1,60 keine realistische Angabe… wenn schon wir mit unseren 1,30m Probleme hatten, wie soll es dann erst für die Bavaria werden?

Ich habe im Vorbeifahren vor ein paar Wochen einen auf einem Ast sitzenden Eisvogel entdeckt. Das war ein magischer Moment für mich, da ich noch nie vorher einen Eisvogel gesehen habe. Inzwischen haben wir unterwegs schon etwa ein halbes Dutzend Eisvögel im Flug sehen können. Wie ein leuchtender türkisfarbener Pfeil schießen sie am Boot vorbei und jedes Mal bleibt uns der Mund offen stehen. Das glänzende Türkisblau mit den weißen und orangefarbenen Akzenten ist unwirklich schön und einen Augenblick später verschwunden, so dass es eine Fata Morgana sein könnte, wenn wir es nicht beide sehen würden. Heute konnten wir einen Eisvogel mehrere Minuten beobachten. Er saß im Schilf am Ufer, flatterte dann auf die andere Uferseite und setzte sich dort einige Momente hin. So wechselte er mehrmals die Uferseite in der Nähe des Bootes und wir konnten ihn in Ruhe bewundern.

Da der Regen andauerte, entschieden wir nach 15nm in Gray anzulegen. Da der öffentliche Liegeplatz an der Kaimauer nur eine Tiefe von 1m hat, legten wir seitlich an einem anderem Boot an. Bei dem Boot handelte es sich um das schöne Narrowboat von Neil und Karen aus England, die auf dem Boot leben und durch Europa fahren. Das Narrowboat ist 57 Fuß (= 17,4m) lang und ca. 1,50 breit. Ein ungewöhnliches Format für ein Boot! Aber in England ist und war dies der Standard in den Kanälen, wie Oskar mir erklärte. Neil half uns beim Anlegen und kam mit Oskar ins Gespräch.

Wir warteten unter Deck, bis der Regen nachließ, gingen dann einkaufen und schauten uns die Stadt an. Gray hat eine historische Altstadt und war im 16. Jahrhundert dank Flusshandel sowie reichen und einflussreichen Bewohnern eine blühende Stadt. Noch immer sind viele Häuser bzw. Fassaden aus dem 16. und 17. Jahrhundert erhalten. Leider ist die Innenstadt kaum bewohnt und die Häuser und Geschäfte stehen zum Großteil leer. Als wir zurückkamen war an unserem Niedergang ein Zettel von Neil und Karen, die sich für den Wein bedankten, den wir ihnen geschenkt haben, weil wir seitlich bei ihnen anlegen durften. Darauf haben sie auch die Adresse ihres Blogs geschrieben:


Chalkhill Blue 2


Auf dem Blog schreiben Sie ihren Reisebericht und man kann ihr Narrowboat von innen sehen. Sehr interessant und es sieht gemütlich aus!

Abends kochte ich zum ersten Mal einen Auflauf mit unserem Omnia-Campingofen (eine spezielle Form, die man auf einen Gas- bzw. Butankocher stellen kann) und es gelang gut! Am Abend schaute Oskar die EM-Spiele und ich schrieb am Blog und sortierte Fotos.